Schach

von Markus Lochmann

Das Leben
ist ein Spiel.

Ein ewiges Spiel,
dessen Regeln

zu beherrschen
unser Ziel sein muß.

In diesem Spiel
gibt es keine Gewinner.

Die Liebe
ist ein Spiel im Spiel,

dessen Regeln wir
beherrschen müssen,

um überhaupt
das Spiel des Lebens

spielen zu können.

Das Verliebtsein
ist aller Spiele Anfang,

eine Pforte, ein Tor

zu den geheimnisvollen
Regeln der Spiele,

die zu beherrschen
wir alle uns so bemühen.

Also lebt nicht,
um zu lieben,

sondern liebet,
um zu leben,

um zu spielen
und zu gewinnen

das einzig wichtige
Spiel überhaupt

das Werden eurer selbst.

Eine Definition des Glücks

von Markus Lochmann

Glück
erfährt man genau
in dem Moment

in dem man
zurückblickt
auf sein Leben

verstehend, daß man
keine Sekunde, keinen Augenblick
davon ändern möchte, kann

weil alles so kommen mußte.
Es war richtig.
Notwendig.
Unausweichlich.

Glück
ist zu verstehen, daß
alles doch
seinen Sinn hat.

Herbstabend

von Markus Lochmann

Es ist Herbst.
Ich fühle die Kälte,

lege eine Decke
um meine frierenden Füße.

Melancholie säumt die Bilder
der prächtigen Farben.

Ich sterbe mit jedem Jahr
ein Stückchen mehr.

Die Kraft, die Schönheit,
die Vernichtung des Lebens,

fasziniert immer wieder.
Geruch des modernden Laubes.

Wirbelnde Blätter, bunt gefärbt ihr Ende zeigend,
glücklich tanzend im tosenden Sturm.

Das Gefühl der Vergänglichkeit
wühlt auf, erinnert.

Winter hart, ich warte auf dich.

Bodensee im Juli

von Markus Lochmann

Leise plätschert Wasser
in sanften Wellen
treffen auf Land – das meine –
kommen von weit – schwingend – um zu grüßen
unseren Raum und Zeit

Jeder Hauch
jeder Duft
jede Regung
dieser Seele

übermenschengroß

Jeder Atemzug
den ich nehme
ist von Dir.

Jeder Stein erzählt
Deine Geschichte
jeder Baum
jeder Strauch
jeder Halm

Jede Blüte
die gedeiht und verwelkt
wie das menschliche Sein
Jeder Tropfen Vergänglichkeit

Heimat ist Raum
ist Geborgenheit
ist die Haut eines Menschen
der dich für immer liebt

Heimat ist Mut
Heimat ist Frieden
Heimat ist Lebenskraft
Heimat bin ich

und hier zuhause
im Land meiner Seelen
in Dir.

Der Mond

von Markus Lochmann

Er leuchtet in der Ferne
scheint sein Lichte fahl,
spüre ich die Wärme
trotz der dunklen Qual

Auch kaltes Licht das strahlt
Liebe in sich aus
So wie all die Sterne
senden Leben aus

Der Mond ist nur ein Spiegel
der warme Sonne bricht
Und wenn ich daran denke:
kalt ist das Dunkel nicht

Wenn am nächsten Morgen
der Tag so hell erstrahlt
sind all die vielen Geister
der dunklen Nacht verjagt

Auch im hellsten Sonnenlicht
das strahlt vom Himmel heiß
vergesse ich den Mondschein nicht
mit seinem bleichen Weiß

Der mir den Weg durch’s Dunkel zeigt
immer, Nacht für Nacht
auch wenn das Schwarz dem Ende neigt
und mein Leben wieder lacht

Ohne ihn gäb’s Hoffnung nicht
für uns Seelen ohne Schlaf
und ohne dich kein Sonnenlicht
für einen, den das Dunkel bitter traf

Du edler Mensch an meiner Hand
mein himmlischer Begleiter
mit dem mich diese Nacht verband
wie geht die Engelsreise weiter?

Schau, da oben, siehst Du es,
das glühende Gestein,
komm, schmieg Dich ganz eng an mich,
sei einen Moment lang mein.

Da, siehe! Schau, da oben!
Siehe, Liebstes, siehst du nicht?
Der Mond – er trägt doch

dein Gesicht.

Von den Bürokraten

von Markus Lochmann

Die Pandora mit der Büchse
jagen diese schlauen Füchse.

Versuchen sie, sie aufzubrechen,
und dann, rücklings, zuzustechen.

Jagen, reißen, morden, rauben,
zeigen, daß wir doch nichts taugen.

Nimmt sie!, nimmt sie!
weg mit ihr,

ist eh das letzt,
was ich verlier.

Doch: vor euch werd ich
mich niemals beugen,
davon meine Schriften zeugen.

Hoffnung nehmen, niedermachen,
darüber kann ich nur noch lachen.

Denkt wärt Gott, ihr Bürokraten,
Blindheit wird euch noch erschlagen.

Liebe, Freude, Menschlichkeit,
fremd Wort für euch, ihr bringt nur Leid!

Doch glücklich weiß ich ganz gewiß,
daß diesen Tag ich nicht vermiß,

daß gerecht sein hier nur einer kann,
und auch ihr dann irgendwann

bereuen werdet eure Taten,
die die Menschen niedertraten.

Maschinen, nein, das sind wir nicht,
wir tragen noch des Herzens Licht.

Und wenn ihr seht uns schon verloren,
irrt, ihr selbst seit nie geboren.

Tot seit ihr in eurem Herzen,
deshalb seht ihr keine Schmerzen.

Drum grüß ich euch nur mit Verachtung,
lebet doch in der Umnachtung.

Das Licht wird kommen auch für euch,
und wenn ich heul und schrei und keuch,

glaub ich ans Gute jedenfalls,
dann endlich,

hab ich euch vom Hals.