Lectiones Vitae

Lektionen meines Lebens und Sätze. Von Markus Lochmann

Lektion 6 – Über Journalisten und Erdbeeren

Als Web-Entwickler macht man auch Formulare für die Anmeldung zu Veranstaltungen. So auch für Journalisten. Um die massenhafte Versendung solcher Formulare durch automatisierte Skripte zu verhindern, baut man neuerdings semantische Fragen ein, die Maschinen nicht beantworten können. Doch wie sich herausstellte, überforderte die Frage “Welche Farbe hat Schnee” etliche Journalisten. Auch die Frage nach der Farbe einer Erdbeere noch den einen oder anderen. Erst wenn man nach der Farbe einer roten Erdbeere fragt, sind alle in der Lage, die Frage auch zu beantworten.

Lektion: Ihre Wahrnehmung trügt nicht. Der Output des politischen Journalismus in Deutschland korreliert signifikant mit den Fähigkeiten seiner Akteure.

Satz 2

Liebe ist die Schwerkraft des Geistigen.

Lektion 5 – Wie der Hund, so der Herr

Als Windhundbesitzer erlebt man ja so manch lustige Situation. Diese im Netz:

Trifft eine Bordeauxdogge einen Greyhound. Sagt die Bordeauxdogge: “Du siehst aus als wäre eine Hungersnot ausgebrochen.” Sagt der Greyhound: “Und Du siehst aus als wärst du Schuld daran.”

(gefunden bei http://katrin-und-joachim.de/2009/11/22/spass-am-sonntag)

Lektion 4: Schönheit und Freiheit

Heute ging ich mit dem Hund durch den Schlosspark. Dort tranken, schrien und prügelten  sich ungefähr 100 Punks. Gleichzeitig standen das Neue Schloss und seine Marmorstatuen in Schönheit im leichten Schneefall still schweigend daneben.
Lektion: Nicht immer ist Freiheit schön. Und nicht immer entsteht Schönes in Freiheit. Doch rechtfertigt die Entstehung des Schönen die Unterdrückung? Ich glaube nicht.

Lektion 3 – Paradox

Sinnfragen scheinen elementar zum November zu gehören. Hier ein kleines Rätsel aus zwei Sprichworten:

Ein Sprichwort sagt: “Ein guter Wanderer hinterlässt keine Spuren”. Ein anderes hingegen: “Wege entstehen erst dadurch, dass sie gegangen werden.”

Das verwirrt den philosophisch Interessierten. Wie nun soll ich mein Sein in der Welt darstellen? Wie soll ich mich in meiner Existenz verhalten? Soll ich leise und anerkennend die Schöpfung wahren und als neutraler Beobachter den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen? Oder soll ich gestaltend in meine Umgebung eingreifen, Dinge aktiv verändern und dadurch anderen erst Denkweisen möglich machen? In dieser kleinen Denkübung offenbart sich gedankliche der Unterschied zwischen dem (guten) Journalisten und Politiker genauso wie der zwischen dem literarischen Berichterstatter und Philosophen. Beide haben etwas für sich. Und in weiterer Betrachtung neige ich letzterem zu – immer in der Hoffnung, keine Irr-Wege zu gestalten. Betrachten und Berichten ist schön. Durch Neues zu schaffen, aber noch schöner.

Lektion 2 – Es kommt immer auf den Blickwinkel an

Heute ging ich wie so oft im Dunkeln auf den Rotenberg mit meinem Hund spazieren, setzte mich auf die wohlbekannte Bank am Fuße der Grabkapelle und genoss die Aussicht auf den Talkessel in Stuttgart. Später stieg ich weiter hinauf auf die hundert Meter höher gelegene Egelseer Heide und stellte fest, dass die Aussicht von dort schlechter war als die zuvor, obwohl ich höher über dem Tal war.

Ergo: Nicht immer ist die Aussicht von weiter oben auch schöner. Es kommt immer auch auf den Blickwinkel und die Blickrichtung an.
(Das darf man ruhig auch metaphysisch verstehen.)

Lektion 1 – Die Würde des Menschen

Die bestimmende Regel in unserer Verfassung lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das Entscheidende aber ist die Erkenntnis, dass diesen Satz Menschen in die Verfassung geschrieben haben. Wir haben keinen König mehr „von Gottes Gnaden“, kein Gesetz „von Gottes Gnaden“. Wir Menschen haben mit der Erfindung der Menschenwürde die Verantwortung über die Welt in unsere eigenen Hände genommen.

Ergo: Jeder, der seine eigene Würde als Mensch erkannt hat, trägt die Verantwortung für die ganze Welt mit. Atlas shrugged.

Satz 1

Im Kapital sammelt sich die Zukunft von gestern.