Lectiones Vitae

Lektionen meines Lebens und Sätze. Von Markus Lochmann

Kategorie: Lectiones

Lektion 8: Von der Hoffnung

Sie kennen das: Auf dem Weg von A nach B in einer fremden Stadt verfahren Sie sich und kommen an eine Sackgasse. Weil diese jedoch in die richtige Richtung weiter führt, fahren Sie in diese Sackgasse hinein – nur um an deren Ende doch wieder mühsam wenden zu müssen.

Warum tun wir das? Das Sackgassenschild hat ja schließlich niemand ohne Grund am Anfang der Straße aufgestellt! Jede Vernunft müsste uns sagen, dass sich das Einfahren nicht lohnt. Und dennoch fahren wir hinein, in das “Dead End”, wie die Amerikaner so treffend formulieren.

Der Grund unseres irrationalen Verhaltens ist, dass wir Hoffnung haben. Gegen alle Widerstände und jede Vernunft hoffen wir, dass die Strasse weiter geht, obwohl jemand ein Sackgassenschild an den Anfang gestellt hat. Gleichzeitig vertrauen wir mehr in unseren eigenen Verstand, als in den des Schilderaufstellers, des Straßenplaners oder der menschlichen Gemeinschaft.

Genauso tun wir mit unserem Leben. Obwohl wir wissen müssten, dass es eine Sackgasse ist an deren Ende der Tod steht, tun wir so, als hätten wir das Schild nie gesehen.

Lektion: Hoffnung ist gut – aber oft auch unbegründet. Vernunft ist auch gut – aber Vertrauen in die Vernunft anderer ist manchmal besser. Nur Hoffnung gepaart mit Vertauen lässt uns den richtigen Weg finden – wenn wir die Zeichen beachten, die für uns aufgestellt sind.

Lektion 7: Die Glaubwürdigkeit von Finanzministern

In Zeiten der bevorstehenden Euro-Krise eine kleine Erinnerung: Im Herbst 1991 rutschte Finnland in eine tiefe Rezession. Noch am 14.11. versicherte der damalige Finanzminister Iiro Viinanen in den Hauptnachrichten des Fernsehens: “Die Mark wird nicht abgewertet”. Am nächsten Morgen hatte die Währung 15% ihres Wertes verloren. In der Folge stieg die Arbeitslosigkeit innerhalb von Monaten von 6 auf 20% und 40% aller Kleinunternehmen des Landes waren insolvent (meines und das meines Vaters inklusive), weil das Bankensystem nur noch Kredite in Fremdwährungen ausgegeben hatte. 90% aller Banken des Landes gingen Pleite, Sparkassen genauso wie öffentliche Institute.

Lektion: Traue niemals den Aussagen eines Finanzministers. Niemals.

Lektion 6 – Über Journalisten und Erdbeeren

Als Web-Entwickler macht man auch Formulare für die Anmeldung zu Veranstaltungen. So auch für Journalisten. Um die massenhafte Versendung solcher Formulare durch automatisierte Skripte zu verhindern, baut man neuerdings semantische Fragen ein, die Maschinen nicht beantworten können. Doch wie sich herausstellte, überforderte die Frage “Welche Farbe hat Schnee” etliche Journalisten. Auch die Frage nach der Farbe einer Erdbeere noch den einen oder anderen. Erst wenn man nach der Farbe einer roten Erdbeere fragt, sind alle in der Lage, die Frage auch zu beantworten.

Lektion: Ihre Wahrnehmung trügt nicht. Der Output des politischen Journalismus in Deutschland korreliert signifikant mit den Fähigkeiten seiner Akteure.

Lektion 5 – Wie der Hund, so der Herr

Als Windhundbesitzer erlebt man ja so manch lustige Situation. Diese im Netz:

Trifft eine Bordeauxdogge einen Greyhound. Sagt die Bordeauxdogge: “Du siehst aus als wäre eine Hungersnot ausgebrochen.” Sagt der Greyhound: “Und Du siehst aus als wärst du Schuld daran.”

(gefunden bei http://katrin-und-joachim.de/2009/11/22/spass-am-sonntag)

Lektion 4: Schönheit und Freiheit

Heute ging ich mit dem Hund durch den Schlosspark. Dort tranken, schrien und prügelten  sich ungefähr 100 Punks. Gleichzeitig standen das Neue Schloss und seine Marmorstatuen in Schönheit im leichten Schneefall still schweigend daneben.
Lektion: Nicht immer ist Freiheit schön. Und nicht immer entsteht Schönes in Freiheit. Doch rechtfertigt die Entstehung des Schönen die Unterdrückung? Ich glaube nicht.

Lektion 3 – Paradox

Sinnfragen scheinen elementar zum November zu gehören. Hier ein kleines Rätsel aus zwei Sprichworten:

Ein Sprichwort sagt: “Ein guter Wanderer hinterlässt keine Spuren”. Ein anderes hingegen: “Wege entstehen erst dadurch, dass sie gegangen werden.”

Das verwirrt den philosophisch Interessierten. Wie nun soll ich mein Sein in der Welt darstellen? Wie soll ich mich in meiner Existenz verhalten? Soll ich leise und anerkennend die Schöpfung wahren und als neutraler Beobachter den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen? Oder soll ich gestaltend in meine Umgebung eingreifen, Dinge aktiv verändern und dadurch anderen erst Denkweisen möglich machen? In dieser kleinen Denkübung offenbart sich gedankliche der Unterschied zwischen dem (guten) Journalisten und Politiker genauso wie der zwischen dem literarischen Berichterstatter und Philosophen. Beide haben etwas für sich. Und in weiterer Betrachtung neige ich letzterem zu – immer in der Hoffnung, keine Irr-Wege zu gestalten. Betrachten und Berichten ist schön. Durch Neues zu schaffen, aber noch schöner.

Lektion 2 – Es kommt immer auf den Blickwinkel an

Heute ging ich wie so oft im Dunkeln auf den Rotenberg mit meinem Hund spazieren, setzte mich auf die wohlbekannte Bank am Fuße der Grabkapelle und genoss die Aussicht auf den Talkessel in Stuttgart. Später stieg ich weiter hinauf auf die hundert Meter höher gelegene Egelseer Heide und stellte fest, dass die Aussicht von dort schlechter war als die zuvor, obwohl ich höher über dem Tal war.

Ergo: Nicht immer ist die Aussicht von weiter oben auch schöner. Es kommt immer auch auf den Blickwinkel und die Blickrichtung an.
(Das darf man ruhig auch metaphysisch verstehen.)

Lektion 1 – Die Würde des Menschen

Die bestimmende Regel in unserer Verfassung lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das Entscheidende aber ist die Erkenntnis, dass diesen Satz Menschen in die Verfassung geschrieben haben. Wir haben keinen König mehr „von Gottes Gnaden“, kein Gesetz „von Gottes Gnaden“. Wir Menschen haben mit der Erfindung der Menschenwürde die Verantwortung über die Welt in unsere eigenen Hände genommen.

Ergo: Jeder, der seine eigene Würde als Mensch erkannt hat, trägt die Verantwortung für die ganze Welt mit. Atlas shrugged.